Halbzeit einer 12-monatigen Auszeit

Upsss… da hätten wir doch fast die Halbzeit unserer Auszeit verpasst. Über sechs Monate sind wir jetzt schon unterwegs – unglaublich wie die Zeit vergeht.

Was ist eigentlich so passiert seit unserer Abreise in Izola und was denken wir über die Reise? Ein Fazit aus unserer Auszeit. Ein Selbstinterview, wo wir die letzten 6 Monate Revue passieren lassen

War es das Wert?

Auf alle Fälle!

Wir haben so viele schöne Dinge erlebt und gesehen, einiges gelernt und tolle Menschen kennen gelernt. Diese Reise wird uns ewig in Erinnerung bleiben und hat uns nach 6 Monaten schon ein wenig geprägt.

Für eine Auszeit wie diese, braucht man Mut und muss Berge an Hindernisse bewältigen. Auch unterwegs läuft öfters was schief und du kommst an deine körperlichen und nervlichen Grenzen. Aber das ist auch eine Erfahrung und gehört genauso dazu, wie all die unglaublich schönen Momente.  Wir haben auch gelernt, dass ALLES vorüber geht. Das Schöne, genauso wie die nicht so erfreulichen Dinge. Augen zu und durch, egal was kommt.   

Wir wollen nicht übertreiben, der Großteil der Auszeit ist einfach nur genial.  

Was sind die Unterschiede von zu Hause und wie haben sie euch bis jetzt geprägt?

Ufff…. Da gibt es einige Dinge, die uns einfallen.

Zu Hause ist man in einem Alltagstrott. Der Wecker läutet um 5 Uhr 30, Zeit aufzustehen. Hier am Schiff gibt es keinen Wecker. Je nach Laune wird Frühstück gerichtet. Natürlich pendelt sich der Körper auf eine gewisse Uhrzeit ein. Bei uns ist es aktuell 8 Uhr in dem der biologische Wecker zum Aufstehen ermutigt.

Zu Hause stellt sich nach dem Frühstück die große Frage: Was soll ich heute wieder anziehen? Das fällt hier am Schiff völlig weg. Kurze Hose und T-Shirt seit 6 Monaten. Auch jetzt im November auf Teneriffa sind die Temperaturen sehr warm.

Dann geht es zur Arbeit. Diese Frage stellt sich am Schiff natürlich nicht. Hier wird eher über Wetter, Wanderungen, Vorhaben, nächste Ziele, Einkäufe usw. fachgesimpelt.

Das Einkaufen ist nach wie vor ein lustiger Zeitvertreib. Kilometerlang tragen wir mit Rucksack unsere Einkäufe, bevor wir sie auf unserer Dancing Pearl verstauen. Zu Hause schaffen wir es nicht einmal einen Kilometer zum Geschäft ohne Auto.

Geld wurde zu Hause für sehr viele „sinnlose“ Konsumgüter ausgegeben. Hier, wird Geld vor allem für Lebensmittel, Marinagebühren und Schiffsersatzteile verbraucht. Für Kleidung ? Haben wir um vieles, vieles weniger ausgegeben als zuhause. Kaum zu glauben, aber einfach nur genial.

Denn eines wissen wir mittlerweile:

Erlebnisse prägen die eigene Identität

Es sind nicht unsere neuen Handys, unsere neuen Schuhe oder unsere neuen Klamotten. Was unsere Persönlichkeit wirklich ausmacht, sind die Dinge, die wir gesehen haben. Die Dinge, die wir getan haben. Die Orte, an denen wir gewesen sind, und die Leute, die wir kennengelernt haben.

Klar, die neue Tasche und die neue Uhr sind toll. Aber sie wird – auch wenn die Werbung uns das gerne glauben machen möchte – mit ziemlicher Sicherheit keine anderen Menschen aus uns machen. Es sind die Geschichten, die wir über Jahre mitnehmen und eines Tages unseren Enkeln erzählen. Erlebnisse, die uns als Erinnerungen für immer bleiben werden. Während das neue iPhone in ein paar Wochen schon wieder alt ist.

Vielleicht kennt ihr den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Jack Nicholson und Morgan Freeman: Ein schwerreicher Großunternehmer und ein einfacher Mechaniker sind Zimmergenossen auf der Krebsstation eines Krankenhauses, beide mit der Aussicht, nur noch sechs Monate zu leben. Sie schreiben eine Liste mit allem, was sie in ihrem Leben noch machen wollen, ehe sie „den Löffel abgeben“.

Obwohl einer fiktionalen Geschichte entsprungen, haben weltweit Menschen – gesunde und kranke, alte und junge, um sich daran zu erinnern, was für sie wichtig ist im Leben. Ganz oben zu finden: Mit Delfinen schwimmen, die Nordlichter sehen, Bungee springen, eine Kreuzfahrt machen, Kulturen kennenlernen, Weltreise machen, kurz: Erfahrungen, Erlebnisse. Nicht etwa: das neue iPhone besitzen oder den neuen Computer oder Flachbildschirm.

Dies können wir zu Hundertprozent bestätigen und nehmen wir auf alle Fälle mit von unserer Reise. Konsumgüter sind vergänglich und treiben uns ins Hamsterrad. Erlebnisse geben unserem Leben Sinn und prägen uns.

Sechs Monate am Stück zusammen mit dem Partner, geht man sich nicht irgendwann auf die Nerven?

Diese Frage wurde uns vor der Reise immer wieder gestellt und ist auch berechtigt. Aber nein, wir gehen uns nicht auf die Nerven. 

Nach fast 20-jähriger Ehe ist so eine gemeinsame Segelreise kein Ding. Klar gehen wir uns ab und zu auf die Nerven, streiten uns und vertragen uns wieder. Aber das ist ja ganz normal und auch zu Hause nicht anders. Obwohl wir zugeben müssen, dass wir hier am Schiff wirklich auf engsten Raum und 24 Stunden zusammenkleben. Das ist Hause nicht der Fall. Einerseits ist das Raumangebot größer und jeder geht seinen Job nach. Oft sieht man sich dann nur kurz am Abend.  Das ist hier schon etwas anders. 🙂

Was sind eure persönlichen Highlights der letzten 6 Monate

Da gibt es viele:

  1. Unbeschreiblich schöne Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge
  2. Nachtfahrten mit ihren Besonderheiten
  3. Delfinbegegnungen
  4. Ankern in einsamen Buchten
  5. Der erste große Tunfischfang
  6. Bei 35 Knoten Wind segeln und einfach nur Angst haben
  7. Mit den Affen lachen
  8. Den Atlantik erleben (mit all seinen Aufs und Ab s)
  9. Das tiefblaue Meer
  10. Der endlose Ocean
  11. Die vielen Tiere, denen wir begegnet sind
  12. Die Wellen, die immer höher werden
  13. Die tollen Menschen, denen wir begegnet sind
  14. Die unbeschreiblich ruhigen und schönen Wanderungen
  15. Die vielen unterschiedlichen Sandstrände
  16. Die unterschiedlichen Kulturen
  17. Leuchtendes Plankton im Meer
  18. Eine Stunde in der Nacht neben Delfinen segeln
  19. Sechs Monate auf einem Schiff leben
  20. Walbeobachtungen
  21. Halbmarathon gelaufen
  22. Vulkan bestiegen
  23. neue Speisen und Getränke probiert (manche mehrmals und machne nur einmal)
  24. unterschiedliche Kulturen und Lebenseinstellungen
  25. unterschiedliche Arten einen PKW zu lenken und sich im Stadtverkehr fortzubewegen
  26. den öffentlichen Verkehr intensiv genutzt
  27. technische Weiterentwicklung eines Büromenschen
  28. Geduld gelernt
  29. Kilometerlange Wege für unsere Einkäufe hingelegt
  30. Zweisamkeit

All diese Dinge erleben wir auf sehr intenisve Weise und gehören zu unseren Highlights.

Und wie geht es jetzt weiter?

Wir genießen auch die nächsten sechs Monate und lassen uns von Wind und Welle wieder zurück ins Mittelmeer Richtung Slowenien treiben. Wir freuen uns auf die Erlebnisse und Erfahrungen, die wir auch noch in den nächsten Monaten erleben dürfen.

Erkenntnis der letzten 6 Monate

Eine verpasste Chance etwas zu erleben, bedauern wir letztlich mehr, als etwas nicht gekauft zu haben. Wer hätte jemals auf sein Leben zurückgeblickt und gesagt: „Ach, hätte ich mir doch damals bloß diesen Couchtisch besorgt.“?

Ein paar Rückblicke der letzten Monate 🙂

6 Kommentare

  1. Genau das nennt man Leben mit allen Sinnen! So sollte eigentlich immer sein! Weiterhin viele neue Erfahrungen und tolle Berichte für uns! Genießt das Leben es ist so verdammt schön – wenn man die Augen aufmacht!
    Liebe Grüße Kuchi

  2. Sehr schön….. Ich freu mich für euch, dass ihr diesen Traum erleben dürft! 😍❤️😍❤️ Ich wünsche euch noch viele schöne Momente!!!! 💕

  3. Ein Traum.
    Wie freuen uns schon sehr auf euren Bericht.
    Genießt eure Zeit in vollen Zügen, die kann euch niemand wegnehmen.
    Liebe Grüße von zu Hause.
    Bussi
    Rosi

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