Teil 5 – Der kleine Flamingo geht auf Reisen und sucht nach dem Glück.

Der König von Bhutan fragte die Bewohner, was ihnen am wichtigsten im Leben ist — ihre Antwort veränderte die Verfassung

Hallo ihr Lieben,

ich als Häuptling der Dancing Pearl melde mich wieder. Meine Aufgabe dieser Reise ist es ja herauszufinden, ob bei dieser 1-jährigen Reise das Glück gefunden wird. Wir alle streben nach diesem sogenannten „Glück“ und einem erfüllten Leben. Was allerdings Glück ist, auf das möchte ich eine Antwort finden.

Die letzten 5 Wochen auf Lanzarote waren sehr entspannt und die Zeit wurde genutzt, um über das Leben und viele andere Dinge nachzudenken. In dieser Zeit ist uns eine Geschichte untergekommen, die uns sehr beeindruckt hat. Ausschlaggebend war sicher auch, dass wir eine Wahlkarte beantragt haben, da in der Steiermark bald Landtagswahlen stattfinden. Viele Stunden wurde darüber nachgedacht, was da eigentlich in der Heimat so schief läuft mit unserer Politik. Und wir sind zu einer Erkenntnis gekommen.

Mit euren Freunden habt ihr sicher schon einmal darüber gesprochen, welche Summe bei wem am Monatsende auf dem Konto landet und wie viel am Ende des Monats wohl über bleibt.

Möglicherweise wart ihr stolz, dass ihr finanziell gut da steht. Vielleicht wart ihr aber auch neidisch auf jemanden, der für die gleiche Arbeitszeit doppelt so viel Gehalt kassiert wie ihr. 

Wenn das so war, tröstet euch! Während ein durchschnittlicher Deutscher/Österreicher im Jahr 2016 rund 40.000 Euro verdient hat, musste sich der durchschnittliche Bewohner des Himalaya-Staats Bhutan mit einem Jahreseinkommen von weniger als 7.000 Euro zufriedengeben. Aber das ist den Bhutanesen wahrscheinlich vollkommen egal.

Auf diese Geschichte bin ich gestoßen und mich hat der kleine Staat von Beginn an fasziniert.

Wenn die Regierung die Menschen nicht glücklich macht, hat sie keine Existenzberechtigung.

Als der König von Bhutan in einem Interview mit der „Financial Times“ nach dem „Gross National Product“ (Bruttoinlandsprodukt) seines Landes gefragt wurde, antwortete er, dass in Bhutan „Gross National Happiness“ (Bruttonationalglück) wichtiger sei. Tatsächlich ist das Glück der Bevölkerung in der Verfassung Bhutans festgeschrieben: „Wenn die Regierung nicht in der Lage ist, das Volk glücklich zu machen, dann hat die Regierung keine Existenzberechtigung.“ Alle Institutionen des Landes sind verpflichtet, das Bruttonationalglück zu fördern. 

Foto: Pixabay.com

Als ich bei meiner Recherche dies las, musste ich gleich an die Politik in Österreich denken. Im schönen Land gehen finden die Koalitionsverhandlungen statt und in der schönen Steiermark stehen Landtagswahlen bevor. Nur hat sich da schon jemals wer Gedanken über das Bruttonationalglück gemacht? Immer wieder geht es um Probleme, gegenseitige Anschuldigungen, Köpfe sollen ausgetauscht werden, Ängste werden geschürt, Streitthemen werden diskutiert und die Menschen im Land werden immer politikverdrossener.

Was macht die Menschen glücklich? Wie kann das Bruttonationalsglück steigen?

Das Konzept „Bruttonationalglück“ entstand in Bhutan Anfang der 70er-Jahre. Der dritte König von Bhutan, Jigme Dorje Wangchuck, starb unerwartet mit nur 43 Jahren. Sein Sohn Jigme Singye musste sein Studium abbrechen und mit 16 Jahren den Thron besteigen.

Der junge König war unsicher, was das Volk von ihm erwartet. Er entschied, durch das Land zu reisen und die Menschen einfach zu fragen, wie Ha Vinh Tho berichtet. 

In den 70er-Jahren gab es in Bhutan allerdings kaum Infrastruktur, sodass Wangchuck die meiste Zeit zu Fuß ging. Auf seine Frage bekam er sehr unterschiedliche Antworten. Doch er bemerkte, dass sie alle auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden konnten: Alle Menschen wünschen sich Glück und Wohlergehen. Der junge König beschloss, das zum wichtigsten Zweck seiner Regierung zu machen.

Er rief das Zentrum für Bruttonationalglück ins Leben, das seitdem erforscht hat, unter welchen Bedingungen die Menschen am glücklichsten sind. Die äußeren Bedingungen dafür sind soziale Gerechtigkeit, kulturelle Freiheit, juristische Gleichberechtigung und ökologische Nachhaltigkeit. Die wichtigste Erkenntnis: Die Wirtschaft muss im Dienste des Menschen und seines Glücks stehen, nicht umgekehrt.

Bhutan ist außerdem das einzige Land der Erde, das mehr Treibhausgase absorbiert, als es produziert. Der Grund: Das Land ist zu 72 Prozent bewaldet. Eine Bewaldung von 60 Prozent ist übrigens gesetzlich vorgeschrieben, um die Carbon-Negativität zu garantieren. 

Die inneren Bedingungen des Glücks bestehen vor allem in einem Bewusstseinswandel der Menschen. „Depressionen sind die Hauptursache von Krankheiten in westlichen Ländern“, sagt Ha Vinh Tho. „Weil die Menschen den Kontakt zu ihrem Innersten verloren haben, versuchen sie, das entstandene Loch durch Materialismus zu füllen.“  

Bereits in der Grundschule erlernen die Kinder in Bhutan Glückskompetenzen

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 „Unsere Aufgabe ist auch die entsprechende Ausbildung der Lehrer“, sagt Ha Vinh Tho. „Sie lehren Achtsamkeit, soziale und emotionale Fähigkeiten wie Empathie, Kommunikation, Konfliktmanagement und Meditation.“ Dass Meditationstechniken das menschliche Gehirn positiv verändern, ist wissenschaftlich erwiesen. Darum wird sie in Bhutan von den meisten Bürgern praktiziert. 

Ha Vinh Tho rät, das eigene Glück intelligent in den Vordergrund zu stellen und sich bewusst zu machen, wie man seine Lebenszeit verwendet: „Habe ich das Gefühl, dass das was ich tue im Einklang mit meinen Werten steht? Dass ich einen positiven Beitrag leiste? Wir müssen alle Geld verdienen, aber man soll sich immer fragen: Wenn ich finanziell abgesichert wäre, würde ich das, was ich tue, auch ohne Bezahlung tun?“

Gerade die Generation Y sucht nach diesem Mehr an Sinn, sagt Ha Vinh Tho. Unternehmen, die nicht nur gut zahlen, sondern auch Werte haben, die das Wohlergehen ihrer MitarbeiterInnen, der Gesellschaft und der Umwelt betonen, bekommen die besten Leute. „Es ist eine besondere Gnade, heute jung zu sein“, sagt er. 

Denn eine alte Welt geht zu Ende und eine neue will geboren werden.“

Das Konzept des „Gross National Happiness“ – basiert auf vier Säulen.

1. Eine gute Regierungsführung
2. Nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft und Wirtschaft
3. Bewahrung kultureller Werte
4. Schutz der Umwelt

Ziele, die jedem und jeder Politikerin in unserer schönen Heimat Österreich ein Begriff sein sollte!

Aber was macht man als „Glücksminister“ eigentlich? Läuft man herum und verteilt Kekse? Oder organisiert man Tanzkurse? Beides wohl eher nicht. Ha Vinh Tho legt einen besonderen Fokus darauf, die Leute im Glück zu unterrichten. „Glück ist eine Fähigkeit“, sagt er. „Eine Fähigkeit, die man erlernen kann“. Dabei gehe es unter anderem darum, innere Eigenschaften wie Selbstreflexion und Achtsamkeit zu stärken. Genauso wichtig seien aber auch Sozialkompetenzen für ein liebevolles Miteinander.
Außerdem ist Ha Vinh Tho ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur für ein nachhaltiges Leben wichtig. Diese drei Elemente werden der gesamten Bevölkerung gelehrt – egal ob SchülerIn, PolitikerIn oder ManagerIn.

Flami Erkenntis der Glückssuche:

„Glück ist eine Fähigkeit“.

„Eine Fähigkeit, die man erlernen kann“

( www.businessinsider.de )

Bilder: www.pixabay.com

Ein Kommentar

  1. Genial…….Danke fürs Gedankenanregen….

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