#19 Auf nach Menorca

Endlich ist es soweit. Nach einer Woche Aufenthalt in Carloforte passt das Wetterfenster und wir können los Richtung Menorca. 200 Seemeilen (360 km) liegen vor uns und wir sind guter Hoffnung bald Spanien genießen zu können. Die Überfahrt ist jedoch anstrengend. Vor allem die Nächte sind sehr kraftraubend. Der Schlafmangel zeigt uns wieder, was so unser Körper eigentlich braucht, um gut funktionieren zu können. Was noch dazukommt ist, der nicht vorhandene Wind. Ich weiß – nie kann es einem wer Recht machen – einmal zu viel Wind – dann wieder zu wenig Wind.

Am ersten Tag kommen wir gut mit den Segel voran. In der Nacht war leider kein Wind vorhanden. Am zweiten Tag kam mit dem Sonnenaufgang der Wind zurück und pfeift uns mit bis zu 20 Knoten nach Menorca. Leider hört er nach Mittag wieder komplett auf und somit müssen wir die letzten Stunden motoren. Unheimlich war die erste Zeit ohne Wind im Segel und ohne Motor. Die Wellen schaukeln dich hin und her und dieses Gefühl ist schwer beschreibbar, da es auf der einen Seite beeindruckend aber auch beängstigend ist.  Nach 46 Stunden kommen wir schließlich in Menorca müde, aber sehr glücklich an. Bei der Überfahrt gibt es sonst keine besonderen Vorkommnisse, was uns glücklich den Anker in der Cala Teulera vor Mahon fallen lässt.

Menorca ist die zweitgrößte Insel der Balearen, 50 Kilometer lang und 16 Kilometer breit. Etwa 20 Seemeilen östlich von Mallorca gelegen und damit der östlichste Punkt Spaniens.

Mahon ist die Hauptstadt von Menorca und liegt an deren östlichen Zipfel im zweiten größten Naturhafen der Welt (der größte soll Sydney sein). Früher diente Mahon Seefahrern als sicherer Zufluchtsort und war Eingangstor für viele verschiedene Zivilisationen.

Nachdem wir uns von der Überfahrt erholt haben, machen wir uns gleich in die Stadt und wir schließen Mahon in unser Herz. Menorcas Hauptstadt Mahon hat viel zu bieten: einen beeindruckenden Naturhafen, eine schöne Altstadt mit Jugendstilpalästen oder die Iglesia Santa Maria mit ihrer einzigartigen Orgel. Wir genießen Mahon und lassen uns durch die engen Gassen treiben.

Wir besuchen den Fischmarkt Mercado de Pescados. Er bietet nicht nur das abwechslungsreichste Angebot an frischem Fisch und Meeresfrüchten aus Menorca, sondern auch lebhafte Stände, an denen man köstliche Tapas, Spieße und Weine sowie Produkte der Insel genießen kann.

Von exzellenten Käsesorten bis hin zu „Made in Menorca“ – Bier ist alles dabei. Es ist auch zu einem geschäftigen Treffpunkt geworden, an dem gastronomische Veranstaltungen und Konzerte stattfinden.

Eine Spezialität ist der in Menorca produzierte Gin. Natürlich muss dieser in unseren Rucksack. Die Einheimischen mixen ihn am liebsten mit eiskalter Zitronenlimonade. Das Ergebnis nennt sich „Pomada“ und wird bei jeder Gelegenheit getrunken. Für uns ist die Gelegenheit noch am selben Abend auf der Dancing Pearl. Er hat einen ganz eigenen Geschmack. Achtung: Suchtgefahr!

Am nächsten Tag geht es weiter in die Bucht Cala Galdana.

Santa Galdana ist einer der Vorzeigestrände Menorcas. Sein muschelförmiger Sandabschnitt (mit einer Länge von 460 Metern und einer Breite von 28 Metern) wird von hohen Steilhängen umgeben, die herrliche Ausblicke auf die schöne Umgebung ermöglichen. Die spektakuläre Schlucht von Algendar (Refugium von endemischen Tieren und Pflanzen der Insel) mündet an seinem Küstenabschnitt.

Hier erleben wir erstmals das Ankern auf eine andere Art, als wie wir es bisher gewohnt sind. Das Schlagwort ist: Mut zur Nähe.

Als wir zu Mittag in der Bucht ankern, sind wir glücklich noch einen (für uns) letzten Platz zu ergattern. Doch wir werden eines anderen belehrt. Am Nachmittag füllt sich der Ankerplatz immer mehr und nach uns kommen noch mehr als 10 Schiffe in die Bucht und zum Schluss ankern 30 Schiffe neben uns. Natürlich gibt es hier internationale Gespräche (jeder in seiner Muttersprache und manchmal in Englisch) wie „du bist zu Nahe“ und der andere sagt: „Ich verstehe dich nicht aber – das geht schon“ –  zumindest haben wir es so uns gedacht. 😊. Die Nacht verläuft trotz Nähe zu anderen Booten ruhig und wir lernen eine neue Art des Ankerns kennen. Für uns vor 3 Monaten noch undenkbar so zu ankern.

In Menorca wollen wir eigentlich viel länger bleiben, denn die Buchten und Menschen haben uns beindruckt. Aber ein angekündigter Mistral soll Anfang nächster Woche Mallorca erreichen und da wollen wir bereits im Süden sein. Somit starten wir nach Mallorca

 

Ein Kommentar

  1. Wieder sehr treffend formuliert. Das Kuschel-Ankern ist auch für uns immer noch irritierend, vor allem bei drehendem Wind. Und dann wird hier noch mal ein bisschen Kette gesteckt, da eingeholt, irgendwie passt es meist doch. Nur auf Bildern kann man kaum wiedergegeben, wie eng sich das anfühlt.

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